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Frankenpost- Bericht zu den 30. Grenzlandfilmtagen in Selb
Frankenpost- Bericht zu den 30. Grenzlandfilmtagen in Selb

            

Frankenpost- Bericht zu den 30. Grenzlandfilmtagen in Selb
Beschreibung: Frankenpostbericht vom 13.4.2007:

VON MICHAEL THUMSER
SELB – Kein Tusch. Nichts von Triumphmarsch oder Festouvertüre. Stattdessen: gedämpftes Saitenspiel, zarter Soprangesang. Sara Avelia begleitet sich selbst mit der Harfe. So spinnt sie um den Auftakt der Internationalen Grenzland-Filmtage im voll besetzten – überdies trefflich runderneuerten – Kino 1 des Selber Kino-Centers einen filigranen Rahmen. Dabei gäb’s für lauteren Jubel guten Grund: Zum 30. Mal ging das Festival am Mittwoch an den Start. Noch nicht lang, da sah es sich von Krisen tödlich bedroht. Jetzt verheißt die runde Zahl auf Plakaten und Katalog: Es steckt eine Erfolgsgeschichte darin.


Selb: „Eine kleine Stadt, die viel los macht“, schwärmt Peter Kampschulte, Schauspieler am Theater Hof, der mit wortgewandtem Witz die offizielle Eröffnung moderiert, Spätkommern launig letzte freie Plätze anweist und Ehrengäste auf kuriose Art willkommen heißt. In eine Kino-„Metropole“, vor „Filmfieber“ glühend, sieht sich der aus Bayreuth angereiste Regierungspräsident Wilhelm Wenning versetzt. Als „Alleinstellungsmerkmale“ des Filmfests rühmt er die traditionsgemäße Orientierung nach Osteuropa und die Förderung des kinematografischen Nachwuchses. Dem Publikum empfiehlt er, Steven Spielberg als Zeugen zitierend, Kino fünf Tage lang als „Vorwand zu nutzen, das eigene Leben zu verlassen“.

Den Dank der Stadt stattet deren zweiter Bürgermeister Hermann Friedl ab – Dank an die Sponsoren; und an die ehrenamtlichen Programmplaner und Helfer, namentlich an den Hofer Utz Reich und seine Selber rechte Hand Dagmar Franke, die er für „sparsames Haushalten“ mit knappen Mitteln lobt. „Das Festival“, weiß Friedl, „ist gut nicht nur für Selb, sondern für die ganze Region.“ Da gibt ihm Utz Reich als Kopf des veranstaltenden Fördervereins Recht: Ohne auf „Stars und rote Teppiche“ zu setzen, wollen er und die Seinen schlicht helfen, „den Staub von der so genannten Provinz zu blasen“ und hier, an der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien, „Grenzen in den Köpfen zu beseitigen“; denn solche machen sich dort nach wie vor geltend.

Wovon der Eröffnungsfilm so anschaulich wie amüsant Spiegel- und Zerrbilder gibt. Für „Schröders wunderbare Welt“ hat Regisseur Michael Schorr eine von Strukturverlust ausgezehrte Krisenregion, nicht unähnlich der hochfränkischen um Selb herum, zum Schau- und Schicksalsplatz ausersehen: einen lausigen Lausitzer Landstrich am deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck, vom Tagebau ab- und eigentlich weggeräumten – ein zum Verzweifeln tragischer Ort.

Wer da Platz für eine Komödie finden will, muss Hoffnung schaffen: Die bringt den hiesigen Phlegmatikern und Sonderlingen, Revanchisten und Kräuterschnapsdrosseln Frank Schröder (Peter Schneider), ein junger Sohn der Region. Ihr will der linkische Idealist einen „Lagunenzauber“ bescheren, eine künstliche Tropen- und Freizeitwelt. Mit seinem Boss, einem kaltschnäuzigen Ami-Investor im Tarnanzug (Jürgen Prochnow), fliegt Frank im Hubschrauber ein wie ein Alien: „Here comes Paradise“ prangt auf dem Helikopter. Um solchen Himmel auf Erden aufzuspannen, tut eine Staatsaktion zum ersten Spatenstich, die Zubereitung des „größten Kloßes der Welt“ und viel internationale Zusammenarbeit Not. Erwartungsgemäß endet die völkerversöhnend aufgepeppte Erfolgsgeschichte, noch ehe sie richtig beginnt, in stachligen Altressentiments nebst Schießprügelgefecht und in einem Wintereinbruch, dessen Sturmgestöber die blinkenden Plastikpalmen des Festplatzes mit Schneehauben schmücken.

Weder Triumphmarsch noch Tusch: Wacklig blasen Hörner zu einer schrägen Jagd – doch auf der Strecke bleiben am Ende die verzweifelten Blütenträume und frommen Wohlstandswünsche von einer schönen neuen Welt. Das ist zum Heulen und zum Lachen auch – und wär’s noch mehr, wenn der Regisseur seine in wunderbar sich weitenden Bildern entfaltete Geschichte zwar so langsam, doch wenig lang erzählte. Hätten 94 statt 114 Minuten nicht auch gereicht? Durch Stockungen und mühsame Neustarts schwächt die Dramaturgie hier einen schönen Oberflächengag, dort eine nachsinnenswerte Tiefenwirkung ab.

Langwierig – dennoch nicht langweilig. Denn unverkennbar intensiviert Schorr seinen – seit „Schultze gets the Blues“ bekannten und bewunderten – Scharfblick auf die „transsilvanischen“ Wunderlichkeiten randständiger Zeitgenossen, zeichnet Käuze, Typen, Originale durchaus skurril und unwirklich, doch eben darum sonderbar menschlich und nah, zwar unbeholfen, doch umso sympathischer, bis zur Borniertheit verständnislos den Zeichen der Zeit gegenüber, aber im Kopf für alle Flausen offen.

Schröders wunderbare Welt: heute um 18 Uhr im Kino 1

Zur Person: Michael Schorr


Geboren 1965 in Landau/Pfalz. Studium der Philosophie und Musikwissenschaft, dann an der Filmhochschule in Babelsberg. Beginn als Dokumentarist. 2004 Spielfilmdebüt mit „Schultze gets the Blues“, das bei den Hofer Filmtagen erstaufgeführt wurde; bedeutende Auszeichnungen im In- und Ausland. 2006 Premiere seines zweiten Spielfilms „Schröders wunderbare Welt“ beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg.

Kino, wunderbare Welt: In drei Vorführräumen in Selb kann man fünf Tage lang Filme sichten FOTOS: HERMANN KAUPER
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Datum: 13.04.2007 22:29
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